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Geschichte des Hauses

1.1. Entstehung

Bereits in den ersten Jahren nach Besiedelung des neuen Stadtteils, machten sich Bewohnerinnen und Bewohner Landwassers Gedanken über ein Gemeinschaftshaus, in dem sich die Menschen des Stadtteils in ihrer Freizeit über alle bestehenden Zusammenschlüsse und Gruppierungen hinaus begegnen möchten. Die von der „Wohnbaugesellschaft Familienheim“ zur Verfügung gestellten und stark frequentierten Räumlichkeiten im Keller des Wohnhauses Moosgrund 2, in dem sich Jugendgruppen trafen, aber auch Kurse für Kinder abgehalten wurden, konnten keine Perspektive für einen neuen und jungen Stadtteil mit konzipierten 10.000 BewohnerInnen sein.

So entstand die Idee, im jungen Stadtteil ein „Haus der Begegnung“ zu errichten.

Im Landwasserboten Nr. 45 vom Mai 1972 der vom Bürgerverein Freiburg-Landwasser e.V. herausgegeben wurde, war zur Entstehungsgeschichte des HdB folgendes zu lesen:

„Im Herbst des Jahres 1967 machte der Bürgerverein den Vorschlag, ein gemeinsames Kirchen- und Gemeinschaftszentrum zu errichten […] Bedingt durch Personen, die im Bürgerverein und in kirchlichen Arbeitskreisen Landwassers gleichzeitig mitarbeiteten, wurde die Diskussion 1967/68 auch bei den Kirchen aufgegriffen. Von den Kirchen wurde der Bürgerverein einige Monate später darüber unterrichtet, dass man in Kreisen der Kirche geneigt sei, eine gemeinsame Begegnungsstätte mitzutragen. Im Anschluss daran mit der Stadt geführte Gespräche haben bewirkt, dass die Stadtverwaltung sich ebenfalls mit dem Vorschlag befasste. […]

Die Stadt betrat damit Neuland, indem sie die beiden Kirchen einbezog und die Baukosten, die Betriebskosten und die Kosten für die Unterhaltung des künftigen Gebäudes in einem Vertrag vom 24.04.1969 regelte. In diesem Vertrag wurde die Bürgerschaft aufgefordert, einen Verein für den Bau und den Betrieb des Hauses zu gründen. Die Stadt räumte dem Verein ein Erbbaurecht ein. Der Verein ist im Grundbuch von Anfang an bis heute als Eigentümer des Gebäudes eingetragen.

Vereinsgründung Haus der Begegnung Freiburg-Landwasser e.V. im ehemaligen Freiburger Rathaus 1969
Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg, Fotosammlung Willy Pragher: Filmnegative II, Bildordner 311-787, Freiburg: Rathaus, Vertrag zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde, der Katholischen Kirchengemeinde und der Stadt zur Gründung des Vereins “Haus der Begegnung” in Landwasser; Unterzeichner, Dompfarrer Schmitt, Oberbürgermeister Keidel, Direktor Meyer http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-2164456

Im April 1969 wurde der Verein „Haus der Begegnung Freiburg-Landwasser e.V.“ von den beiden Kirchengemeinden, der Stadt Freiburg und weiteren 27 von diesen Institutionen benannten Personen als Träger gegründet. Ein Fachausschuss übernahm Planung und Finanzierung des Gemeinschaftshauses, das mit großen Erwartungen verbunden war, sollte es doch multifunktional sein, einer neuen Geselligkeit urbaner Art Raum geben und eine Kommunikation ohne Angst vor sozialer Kontrolle ermöglichen. Es sollte Bildungs- und Freizeitaktivitäten für alle Altersgruppen ermöglichen, ein Zentrum prophylaktischer, sozialpräventiver Jugend- und Sozialarbeit werden, zur Gemeinschaftsbildung im jungen Stadtteil beitragen und von der Bevölkerung im Sinne einer stadtteilbezogenen und offenen Gemeinwesenarbeit aktiv mitgetragen und mitgestaltet werden.

Haus der Begegnung im Rohbau 1971

Im Mai 1971 konnte mit dem Bau des Hauses begonnen werden und am 25. März 1972 fand die offizielle Eröffnung im Beisein von vielen Gästen der Stadt Freiburg und des Landes statt. Das Haus wurde sehr schnell zu einer Begegnungsstätte der Kinder und Jugendlichen, wurde aber auch von Anfang an gerne von Vereinen und den Kirchengemeinden für große Veranstaltungen genutzt. Der hohe Anspruch, allen Bewohner*innen Landwassers ein Haus der Begegnung zu sein, konnte aber nicht eingelöst werden. Zu groß waren die Interessensvielfalt und die unterschiedlichen Bedürfnisse der Zielgruppen und zu klein die Raumkapazitäten wie auch die Anzahl der hauptamtlichen Mitarbeiter*innen. Eine Erweiterung wurde geplant und im Jahre 1980 auch gebaut. Die neue Raumstruktur ließ nun auch wieder die Vielfalt der Besuchergruppen wachsen. Hand in Hand mit dem Erweiterungsbau ging auch eine Ausdifferenzierung der Raumgestaltungen und -nutzungen gemäß den unterschiedlichen Alters- und Zielgruppen einher. Das Haus der Begegnung – kurz: HdB – entwickelte sich in dem jungen Stadtteil zu einer festen Institution.

Dazu schrieb die Badische Zeitung am 7.2. 1980 (pan)

Was in Landwasser von Anfang an geplant war, wurde nun, zumindest teilweise realisiert: die Erweiterung des Hauses der Begegnung ist nach fünfmonatiger Bauzeit fertiggestellt. Diese Erweiterung, wäre es nach den Plänen des Trägervereins gegangen, wäre erstens doppelt so groß ausgefallen und zweitens von Anfang an gebaut worden, sodass die Erweiterung gar nicht nötig gewesen wäre. Dennoch ist der Trägerverein Haus der Begegnung e.V. nun froh, dass der Anbau für die Arbeit im Hause genutzt werden kann. Im Rahmen einer kleinen Einweihungsfeier, an der Vertreter aus Politik und Verwaltung, Bürgermeister Kiefer und der Architekt teilnahmen, erläuterte der erste Vorsitzende des Trägervereins, Riede, was man in den neuen Räumen machen wolle. Vorrang soll im Anbau der Erwachsenenarbeit eingeräumt werden. Die man nun verstärken will. Die Erwachsenenarbeit, so Riede, sei im >Altbau< nicht gut möglich gewesen, da dort meist Kinder und Jugendliche anwesend waren, die >halt Krach gemacht haben<. Um den Krach zu schlucken, seien die Räume im Altbau nicht ausgelegt gewesen. Im Neubau, der einen separaten Eingang hat und nach Bedarf vom übrigen Teil des Hauses abgetrennt werden kann, werden die Erwachsenen nun ihre Ruhe haben. […] Im Kellergeschoss des Flachbaus, der sich völlig dem Baustil des Altbaus anpasst, wurde eine Metallwerkstatt untergebracht, über die ein Fachmann Aufsicht führen wird. Auch ein Fotolabor ist dort untergebracht.“

1.2. Veränderung der Vereinsstruktur

Im Jahre 2000 zogen sich die beiden Kirchengemeinden, die inzwischen mit der Finanzierung ihrer eigenen Gemeindehäuser genug zu tun hatten, aus der Finanzierung des HdB zurück. Es wurde eine neue Satzung (16.10.2000) beschlossen und die Zusammensetzung des Vorstandes wurde neu festgesetzt, dem nun neben den gesetzten Mitgliedern (vier Vertreter*innen der Stadt Freiburg, jeweils eine Vertretung der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde, ein/e Vertreter*in der Albert-Schweitzer-Schulen und zwei Jugendvertreter*innen) auch vier gewählte, dem Stadtteil verbundene Bürgerinnen und Bürger angehören. Das Haus blieb im Eigentum des Vereins, den die Stadt Freiburg für seine Arbeit bezuschusst.

1.3. Erweiterung der Stadtteilarbeit

2012/13 fand in Landwasser ein von der Stadt Freiburg initiierter und vom Bürgerverein Landwasser moderierter Prozess zur Stadtteilentwicklung statt, an dem sich das HdB stark engagierte. Parallel dazu wurde vom Verein „Haus der Begegnung Freiburg–Landwasser e.V.“ ein Zuschussantrag bei der Stadt auf Quartiersarbeit gestellt, der für 2013 auch erstmals genehmigt wurde. Gemeinwesenarbeit wurde somit erstmals gesondert finanziert, und im April 2014 konnte im nahe gelegenen Einkaufszentrum mit Unterstützung der Stiftung „Lebendige Stadt“ und des Dezernats III ein Quartiersbüro für den Stadtteil vom Verein angemietet werden. Damit konnte die Stadtteilarbeit erweitert werden und bekam einen eigenen – auch finanziell abgesicherten – Status.
Als das EKZ 2020 abgerissen wurde, musste auch das Quartiersbüro eine neue Bleibe suchen. Die Stadtverwaltung wollte es dauerhaft im HdB einquartieren. Mit gemeinderätlicher und bürgerschaftlicher Unterstützung konnten wir das zum Glück verhindern. Das Quartiersbüro wurde zwar zwischenzeitlich im Gruppenraum B des HdB untergebracht, bekommt aber 2022 einen Neubau am HdB-Gelände.

1.4. Barrierefreie Umgestaltung des Hauses der Begegnung

Seit Jahrzehnten bemühte sich der Verein um einen barrierefreien Umbau des Gebäudes. 2018 genehmigte der Gemeinderat auf Antrag des Vereins erstmals Mittel für diese Umbaumaßnahmen. Der Verein sucht dafür zusätzlich um eine Förderung bei der „Aktion Mensch“ an, weil die bewilligten städtischen Mittel für den Umbau nicht ausreichen, da ein Teil des Geldes auch für den Neubau des Quartiersbüros und des Schuppens am HdB-Gelände verwendet wird. Für 2022 ist der Umbau samt Aufzug, barrierefreier Toilette und Maßnahmen für hör- und sehbeeinträchtigte Personen nun vorgesehen. Es wäre ein schönes Geburtstagsgeschenk für das HdB und den Stadtteil.

Ansichten Haus der Begegnung 2022 und 1972

das HdB 2017
und 1972

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